Zwangsstörung

Unter einer Zwangsstörung versteht man das gezwungene Verhalten einer Person, immer wieder bestimmte Gewohnheiten zu vollziehen.

Diese Gewohnheiten können über mehrere Stunden andauern und sind für die betroffenen Personen völlig sinnlos. Es können auch bestimmte Gedankengänge sein, die Betroffene zwangshaft immer wieder denken. Dabei wird dann zwischen Zwangsverhalten und Zwangsgedanken unterschieden.

  • Zwangsverhalten: Zum Beispiel Kontrollzwang, Waschzwang
  • Zwangsgedanken: Zum Beispiel Zählzwang, ständige Wiederholungen

Zwänge können unterschiedlich verlaufen. Es können leichte Zwänge sein, die ab und an mal vorkommen, bis hin zu schweren Zwängen, die den kompletten Alltag einer Person bestimmen.

Werden die Zwänge unterbrochen, kann dies zu unwohlen Gefühlen, sogar bis hin zu einer Depression führen.

Ganz häufig haben Personen mit einer Zwangsstörung schon während der Kindheit starke Regeln befolgt. Alles was davon abwich, war nicht gut. Diese Regeln werden weiterhin immer nach den gleichen Ritualen befolgt. Die Angst vor Ablehnung ist groß, wenn etwas anders gemacht wird. Eigene Verhaltensweisen werden somit unterdrückt.

Kann die Angst vor Ablehnung nicht mehr kontrolliert werden, weil die bereits vorgegebenen Regeln vielleicht nicht mehr ausreichen, dann kommt es zu einem Zwangsverhalten. Der Zwang etwas bestimmtes immer wieder tun oder denken zu müssen wird immer größer. Auch wenn die Handlungen oder Gedanken völlig sinnlos erscheinen, können Betroffene sie nicht ablegen.

Eine Zwangsstörung kann eine Bewältigung von Konflikten sein. Aggressionen und Chaos sollen durch Ordnung und Disziplin ersetzt werden. Auch schlechte Erfahrungen können zum Zwangsverhalten führen. Ebenso eine Kindheit, die sehr chaotisch und ohne festen Halt verlief, kann eine Zwangsstörung auslösen.

Mit einer Verhaltenstherapie können Zwangsstörungen mittlerweile gut behandelt werden. Je nach schwere der Störung werden zusätzlich Medikamente eingesetzt. Während der Therapie werden Betroffene beispielsweise mit Situationen die das Zwangsverhalten auslösen konfrontiert. Dabei sollen die Zwänge nicht ausgeführt werden. Dies führt zunächst einmal zu einem enormen Stress Anstieg.

Menschen können unter nur einem einzigen Zwang leiden, aber auch unter mehreren. Eine häufig vorkommende Zwangsstörung ist der sogenannte

Waschzwang: Hierbei haben Betroffene Angst vor Dreck, Bakterien, Viren usw. Sie vermeiden ggf. Kontakt zu anderen Personen, aus Angst vor Krankheitserregern, oder sie nutzen keine öffentlichen Toiletten. Sie waschen ihre Hände mehrmals hintereinander und denken, dass sie noch immer schmutzig sind. Das können auch andere Körperteile sein. Sie entwickeln bestimmte Rituale, um sich oder ihre Wohnung zu reinigen. Durch das häufige waschen der Hände oder anderer Körperteile, wird die Haut empfindlicher und somit eigentlich anfälliger für Krankheitserreger. Menschen mit Waschzwängen ziehen sich häufig zurück und haben oft wenig soziale Kontakte.

Ebenfalls zu häufigen Zwängen zählt der

Kontrollzwang: Bei Kontrollzwängen haben Betroffene beispielsweise Angst davor, dass sie vergessen haben den Herd auszuschalten, das Bügeleisen abzustellen usw. Oder auch beim Autofahren die Angst davor, jemanden anzufahren o.ä. Daher werden viele technische Dinge von Betroffenen mehrmals hintereinander immer wieder kontrolliert. Aber auch dann ist das Gefühl häufig immer noch da. Auch wenn sie mehrmals den Herd und das Bügeleisen kontrolliert haben, wenn sie mehrmals die Tür verschlossen haben, es bleibt das Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung ist. Das Verlassen der eigenen Wohnung, kann durch diese Zwänge häufig sehr zeitaufwendig sein.

Weitere Zwänge sind

– Zählzwang/Wiederholzwang: Hier kann es das Zähneputzen sein, welches immer zur gleichen Anzahl wiederholt wird, oder das Zählen bestimmter Dinge. Wenn die Zahl nicht korrekt ist, müssen das Zählen oder Wiederholen so lange wiederholt werden, bis es stimmt.

– Sammelzwang: Hierbei haben betroffene Personen Angst etwas wegzuwerfen, was eventuell wertvoll sein könnte. Es fällt ihnen sehr schwer zu unterscheiden, ob es sich dabei wirklich um wertvolle Dinge handelt, oder um Müll. Häufig sind hier betroffenen Wohnungen überfüllt mit sinnlosen Dingen wie leeren Flaschen, Zeitschriften usw. Es kann sich hierbei alles Mögliche ansammeln. Betroffene Personen werden auch Messies genannt.

– Ordnungszwang: Hier herrscht genau das Gegenteil. Menschen mit Ordnungszwängen haben ganz bestimmte Regeln und Rituale. Jede kleinste Unordnung führt zu Unbehagen. Es muss immer alles extrem ordentlich und sauber sein. Dabei stehen zum Beispiel bestimmte Gegenstände immer exakt am selben Ort.

– Zwangsgedanken ohne Zwangshandlungen: Hierbei kann es sich um aufdringliche oder aggressive Gedanken handeln. Dabei ist die größte Angst betroffener Personen die, dass sie ihre Gedanken ggf. umsetzen und jemandem damit schaden könnten.

Zwangsstörungen können durch unterschiedliche Therapieformen oftmals gut behandelt werden.

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